Der Fluch des Unternehmertums im HEUTE
Zu keiner Zeit war es einfacher, sichtbar zu werden. Und trotzdem halten sich die meisten selbst davon ab. Was uns das wirklich kostet – darüber redet kaum jemand.
Zu keiner Zeit war es sicherlich einfacher, „bekannt" zu werden. Sichtbarkeit und Reichweite zu generieren. Heute braucht es kein Mediatraining mehr. Keine Kontakte in der Presse. Kein Budget für eine Agentur.
Dein Portal zum Glück liegt augenscheinlich kostenlos und frei zugänglich direkt vor dir.
Denkst du!
Die Informationsflut macht uns taub
Schau dir an, was täglich auf uns einprasselt. Werbeanzeigen. Reels. Carousels. Newsletter. Podcasts. Jeder schreit. Jeder will gehört werden. Höher, weiter, schneller, schöner.
Es ist schlichtweg erschlagend. Und irgendwann – irgendwo zwischen dem dritten Reel und der fünften Anzeige – schaltet das Gehirn einfach ab. Es nimmt nichts mehr wahr. Es filtert alles raus.
Die Informationsflut macht uns taub. Alle. Auch dich als Empfänger. Auch deine Kunden.
Was also müsste die logische Konsequenz sein? Echter werden. Leiser werden. Menschlicher werden.
Die Stimme im Kopf
Ich kenne das. Ich mache gerade ein Foto. Habe sofort einen lustigen Spruch dazu im Kopf. Bin schon dabei, den Post-Button zu klicken.
Und dann schaltet sie sich ein.
„Das kannst du so nicht posten." – „Oh Gott, siehst du da alt aus." – „Das will doch niemand sehen." – „Was könnten potenzielle Kunden jetzt denken?"
Und ich lass es sein.
Dieses Bild – das ich nicht gepostet habe – wäre wahrscheinlich das gewesen, das die meisten Reaktionen bekommen hätte. Weil es echt war. Weil man sich darin wiedererkennt. Weil es kein durchdachtes Marketingkonstrukt war, sondern einfach ein Mensch.
Stattdessen habe ich es sein lassen. Mir fällt dazu nur ein Wort ein: anstrengend.
Die polierte Version von uns
Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich hab auf das alles manchmal nicht mal wirklich Bock.
Ich mach es, weil man es tut. Ich mach es, weil Kunden so auf mich aufmerksam werden. Ich mach es, weil es zu unserer Zeit gehört. Ich mach es, weil es in Anbetracht der Möglichkeiten einfach genial ist – in Bezug auf Ergebnisse.
Aber bin das ich zu 100 %? Meistens nein.
Was online geht ist meistens die Version, die ich viele Male durchdacht, wieder gelöscht und neu aufgesetzt habe. Ideen, die ich dann doch verworfen habe – weil sie „zu unkonventionell" waren.
Die Sparkasse hat es einfach gemacht
Neulich hab ich ein Reel einer Sparkasse gesehen. Eine Sparkasse. Das konservativste Institut, das man sich vorstellen kann. Sie haben sich selbst auf die Schippe genommen – um neue Mitarbeiter zu gewinnen. Und ich hab es gefeiert.
Ich war selbst nach dem Studium viele Jahre als Firmenkundenberaterin bei einer Sparkasse tätig. Damals musste ich sogar meinen Nebenjob in der Disko hinter der Bar aufgeben, als ich aufgestiegen bin. Weil das Image gepflegt werden musste. Weil man eine Rolle spielte.
Und jetzt macht genau diese Institution ein Reel, das viral geht. Weil sie aufgehört haben, sich so verdammt ernst zu nehmen.
Das Lustige daran? Es hat wahrscheinlich genau eine mutige Person gebraucht, die einfach gesagt hat: „Wir machen das jetzt so."
Was uns das wirklich kostet
Wir leben in der Zeit der größten Sichtbarkeitsmöglichkeiten aller Zeiten. Kostenlos. Direkt. Ohne Gatekeeper.
Und trotzdem sitzen Tausende von Unternehmern da und posten nichts. Oder posten die zehnte polierte Version von sich selbst. Oder fangen erst gar nicht an – weil der Druck zu groß ist, es gleich „richtig" zu machen.
Der Preis dafür ist hoch. Nicht in Euro. Nicht in Reichweite.
Und am Ende des Tages stehen wir da. Erschöpft. Von uns selbst.
Das ist der Fluch des Unternehmertums im Heute. Nicht der Markt. Nicht der Algorithmus. Nicht die Konkurrenz.
Wir sind es selbst.
Hast du dich jemals gefragt: „Was wäre wohl passiert, wenn ich den Beitrag einfach gepostet hätte?"